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NAS Server Celvin Q700 von Fujitsu (Juni 2010)

Allgemein

Im Folgenden geht es um die Erfahrungen mit einem kleinen, kompakten NAS Server, welcher für den SOHO Bereich konzipiert wurde. Ein solches Gerät ist perfekt, um redundand gehaltene Datenbestände zu zentralisieren und damit auch die Datensicherung nur einmal organisieren zu müssen. Der Fujitsu Celvin Q700 ist baugleich zu QNAP TS-219. Das Gehäuse ist eher vergleichbar mit QNAP TS-210.

Fujitsu Celvin Q700 Diese Tatsache macht das Gerät von Fujitsu noch interessanter, weil es für die QNAP Produkte einen breiteren Support und auch ein aktives Forum gibt, als das bei Fujitsu der Fall ist. Dennoch ist das Gerät von Fujitsu wegen dem Preis weitaus interessanter...

Fujitsu Celvin NAS Q700

Der erste Eindruck war hervorragend. Auspacken, anschliessen, IP-Adresse finden ... und schon gings los. Die WebGUI ist sehr intuitiv, weshalb man eigentlich nicht gross im Handbuch nachlesen muss. Das Aktivieren der verschiedenen Dienste ist einfach, solche Dinge, wie FTP, SSH oder UPnP-Server funktionierten auf Anhieb problemlos. Was man sich vor der Benutzung überlegen sollte:

  • das konkrete Einsatzszenario
  • das verwendete Plattenformat


Insbesondere sollte man sich darüber Gedanken machen, ob man die RAID-Funktion benutzen möchte oder nicht. Eine nachträgliche Änderung ist sehr aufwändig. Beim Verwenden von RAID1 (Mirror) sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es sich hierbei lediglich um einen Schutz vor Hardwareausfall handelt. RAID1 ist keine Datensicherung! Denn wenn man sich eine Datei aus Versehen löscht (oder auch die ganze Platte), dann sind diese Daten auch sofort auf der Spiegelplatte weg. Diese Tatsache ist manchem Anwender nicht bewusst. Man braucht also eine unabhängige Datensicherung, d.h. eine weitere externe Festplatte in der gleichen Grösse. In meinem Fall sind dies dann insgesamt 6TB an Festplattenkapazität (2x 2TB im NAS Server mit RAID1 + 2TB externe USB Platte).

Das System ist mit einem 1,2 GHz ARM-Prozessor (Marvell 6281) ausgestattet. Auf ihm läuft ein ARM-Linux (x19 series) mit Kernel 2.6.22. Damit stehen, die unter Linux bekannten Filesysteme zur Verfügung.

Beim Formatieren der internen Platten des NAS Servers habe ich mich für das EXT4 Filesystem entschieden. Die externe Festplatte, die über USB an den NAS Server angeschlossen wird, habe ich mit dem NTFS Filesystem versehen, damit man die Sicherung jederzeit problemlos über Windows auslesen kann. Die Entscheidung für EXT4 habe ich durch eine Messung getroffen. Die Messergebnisse waren einfach deutlich schneller (Lesen + Schreiben) als bei EXT3 und ausserdem ist EXT4 halt moderner. Das Schreiben war bei mir unter gleichen Randbedingungen (1GbE-Netz, Share über Samba-Mount) ca. 10 MB/s schneller und beim Lesen ca. 5 MB/s schneller. Die Tests wurden mit einem speziellen, von mir entwickelten Testprogramm ausgeführt, welches Daten im Speicher erzeugt und dann in die Zieldatei schreibt oder beim Lesen, die Daten aus der Zieldatei liest und dann einfach wegwirft. Auf diese Weise kann man die reine Strecke bis zur Zielplatte messen und den Einfluss einer lokalen Datenhaltung ausschliessen. Unter realen Randbedingungen (das Kopieren einer 2GB grossen Datei von einer echten Platte auf den NAS Server) ergab bei mir eine Performance von ca. 29 MB/s. Die genauen Werte sind hier nachzulesen.

Kleinere Probleme

Das Einzige, was ich als etwas problematisch empfand, war die Einstellung für die Systembenachrichtigung. Im NAS Server ist es möglich über die WebGUI unter Systemadministration/Benachrichtigung einzustellen, ob man automatisch Systemmeldungen versenden will. Wenn irgendwas im System passiert, dann kann man sich entweder per Email oder aber per SMS darüber informieren lassen. Das ist sehr praktisch, weil man dann die Chance hat zeitnah zu reagieren. Mich hatte besonders die Funktion des Email-Versandes interessiert. Dazu habe ich die Konfigrationsdaten meines Mailaccounts im Konfigfenster "SMTP-SERVER KONFIGURIEREN" eingetragen, sowie für den Test unter "WARTUNGSBENACHRICHTIGUNGEN" eine Email-Adresse. Leider ging das überhaupt nicht. Eine Hinweis fand ich dann im QNAP-Forum. Damit das Ganze funktioniert, muss unter "SMTP-SERVER KONFIGURIEREN" im Feld "Absender:" die gleiche Email-Adresse eingetragen werden, wie unter "WARTUNGSBENACHRICHTIGUNGEN" im Feld "E-Mail-Adresse 1:" oder "E-Mail-Adresse 2:". Ich weiss, das klingt komisch und unlogisch. Im QNAP-Forum gab es auch einige, die erhebliche Zweifel geäussert hatten. Trotzdem bleibt die Tatsache, dass es nur so funktioniert.

Zugriff von "aussen"

So richtig interessant wird das System, wenn man auch vom Internet aus darauf zugreifen kann. Weil man meist jedoch hinter einem Router sitzt, hat man oft auch täglich eine andere, dynamische IP-Adresse. Aus diesem Grund braucht man einen gleichbleibenden Alias, der mit der wechelnden IP-Adresse verknüpft ist. Einen solchen Service bietet DynDNS kostenlos. Wie man das macht dazu gibt es einen ganz guten Howto, den man sich auch von der Fujitsu-Website runterladen kann. Im Wesentlichen besteht das gesamte Doing aus 3 Schritten:

  • Konto bei Dyndns eröffnen und Server eintragen (siehe Howto)
  • im Router DynDNS einschalten und Portforwarding konfigurieren
  • im Nas Server ebenfalls DynDNS aktivieren


Vergessen sollte man auch nicht die Sicherheitsstufe im NAS Server hochzudrehen, weil sobald das System im Internet sichtbar ist, sich auch die Hacker zu Hauf anstellen, um ins System einzubrechen. Das Mindeste, was man einstellen sollte, ist unter "Sicherheit" im "NETZWERKZUGANGSSCHUTZ" die Automatisierungsregeln, so dass bei fehlerhaften Login-Versuchen die IP-Adressen automatisch gebannt werden. Wen es interessiert, der kann mit IP Adress Lookup nachschauen, woher der Angriff kam. Das Allersicherste ist, dass man nur bekannte IP-Adresse zulässt, was jedoch wegen der Dynamik schwierig ist. Deshalb ist eine gute Alternative, komplette Netze der verdächtigen Länder einfach auf die Bannliste zu setzen. Nach ca. einer Woche wird es dann schon deutlich ruhiger.

Spezialitäten

Wer auf seinem Server Zusatzfunktionen braucht, der ist mit dem Optware-Paket und der ipkg-Funktion bestens bedient. Das Optware-Paket kann man sich von der QNAP-Website runterladen und ganz offiziell über die NAS Server WebGUI unter "Anwendungen" (PKG-Plug-ins) installieren. Wenn man das gemacht hat, dann steht auf dem Server über die Kommandozeile (Login über SSH) das Kommando "ipkg" zur Verfügung. Mit "ipkg install [Paketname]" kann man sich nun beliebige Pakete installieren.

Ich wollte zum Beispiel ein Xterm haben und habe deshalb einfach mal "ipkg install xterm" probiert. Es wird automatisch das richtige Paket aus dem Internet geladen und installiert. Im Falle Xterm fehlen dann zwar noch 2 Libaries, die man sich aber genauso einfach installieren kann, wenn man weiss, wie die Pakete heissen, in denen sie enthalten sind. Es ist einmal das Paket "pango", in welchem die libxft drin ist. Und zum anderen das Paket "renderext", in dem die libXrender drin ist.

Wie bekommt man raus, welches Paket man braucht? Auf der Kommandozeile das Kommando "ipkg update" aufrufen, dabei sieht man 2 paar URLS, von denen sich das Programm die Paketinformation abholt. Die erste URL zeigt auf den Inhalt der Kernel-Module. Diese Liste kann man sich direkt betrachten - hier, da sie als reine Textdatei vorliegt. Die zweite URL zeigt auf eine komprimierte Datei (gz) - hier, die man sich abspeichern und entpacken muss. Dann kann man darin mit einem beliebigen Editor nach allem Möglichen suchen, was die Auswahl extrem vereinfacht.

Zur Installation von xterm hier noch einmal die Zusammenfassung:

  • ipkg install xterm
  • ipkg install pango
  • ipkg install renderext
  • gegebenenfalls noch einen Reboot des Servers, dann sollte es gehen

Noch ein kleiner Minuspunkt

Man sollte auf jeden Fall die Möglichkeit haben das Gerät an einem Ort aufzubauen, wo es in Ruhe arbeiten kann. Ein separater Raum oder Abstellkammer, etc. Denn die Geräuschentwicklung ist nicht ohne. Es ist definitiv kein Gerät, welches man sich ins Wohnzimmer stellen möchte - da ist der Ärger mit der Ehefrau schon vorprogrammiert. Im Prinzip kann man auch nicht erwarten, dass das Gerät absolut leise ist, da es sich um einen kleinen Server handelt, der eine ganze Menge zu bieten hat. Demzufolge ist das aus meiner Sicht kein richtiger Minuspunkt - man(n) sollte es jedoch wissen ;-) wegen WAF und so...